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Der Einfluss der PR auf journalistische Medien und
die Beeinflussung der Berichterstattung durch wirtschaftliche Interessengruppen nimmt massiv zu
Zur Bestätigung siehe auch
Bericht auf Heise.de.
Beginnen wir mit einem Beispiel.
Damit die Bürger auch weiterhin den
Politikern keinen Druck machen und schön
brav weiterhin die etablierten Parteien wählen
("Unkündbare Beamte"), veranlassen
die Wirtschaftsführer ihre "eigenen" Presseunternehmen,
nur über Parteien zu berichten, die
im Landtag sind. Also nur über die etablierten
Parteien.
Der Verein setzt dazu nachfolgendes
Positionspapier zum Verhältnis PR und Journalismus dagegen
Der Einfluss der PR auf journalistische
Medien (Fernsehtipps)
nimmt massiv zu. Die im Dezember 2004 veröffentlichten
Zwischenergebnisse der Benchmarking-Studie
der Universität Leipzig (Leitung: Prof.
Michael Haller) belegen dies für den
Bereich der Tageszeitungen auch empirisch.
Die zunehmenden
Veröffentlichungen von PR-Texten als
redaktionelle Beiträge vor
allem in Tageszeitungen sind für die
Leser meist nicht erkennbar. Hinzu kommt
die Gefahr der zunehmenden
Schleichwerbung, die im Mai 2005
sogar die Verleger offiziell beklagt haben.
Für die Marketing- und Werbeabteilungen
der Industrie bedeutet PR, als seriöser
Journalismus verpackt, die effizienteste
Form der Image- und Produktwerbung. Diese
Tendenz wird verstärkt durch Austauschbeziehungen
nach dem Muster "Anzeige
gegen Text" (Gefälligkeitsjournalismus).
Dadurch wird die Pressefreiheit zusätzlich
ausgehöhlt,
weil die Mediennutzer diese Kopplungsgeschäfte
nicht durchschauen können.
Neben der direkten Einflussnahme auf die
Berichterstattung treten zwei weitere Phänomene
im Zusammenhang mit PR immer häufiger
auf:
Zum einen berichtet Haller in seiner Studie
von einer verstärkten Ausrichtung
der Zeitungsberichterstattung auf
den "Mainstream politischer Mehrheitsmeinungen
im Publikum". Deren Beeinflussung
steht zunehmend im Fokus politischer und
wirtschaftlicher Interessengruppen.
Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" mit
ihrem Jahresetat von mindestens 10 Millionen
Euro zur Vermarktung neoliberaler Reformideen
ist hierfür ein prominentes Beispiel.
Sie will über Media-Kampagnen allgemein
wahrnehmbare und durch "repräsentative" Umfragen
belegte Stimmungen erzeugen. So wird direkt
und indirekt auf das Agenda-Setting der
Redaktionen Einfluss genommen. Der zweite
Trend betrifft die Verschmelzung von journalistischer
und PR-Tätigkeit.
Wirtschaftliche Zwänge wie auch monetäre
Verlockungen lassen Journalisten immer
häufiger zu Dienern
zweier Herren werden. Einerseits
ist er Diener des Zeitungsbesitzers.
Der Lokalredakteur, der andererseits auch
für
die Mitarbeiterzeitung eines Autokonzerns
schreibt, fühlt
sich dadurch zwar nicht korrumpiert; dennoch
geht er bestimmten Konfliktthemen plötzlich
aus dem Weg oder zeigt sich beeinflussbar
für eine bestimmte Tendenz seiner
Geschichten.
Durch die kargen Honorare in den meisten
Printmedien und deren weitere Kürzung
sind viele freie Journalisten auf
zusätzliche
Einnahmen aus PR-Tätigkeiten allerdings
inzwischen angewiesen. Solche Doppelbindungen
führen jedoch oft zu Rücksichtnahmen,
die Schreib- und Recherchehemmungen oder
Auslassungen und Zuspitzungen im Dienste
des zweiten, heimlichen Auftraggebers,
zur Folge haben.
Aufgrund der kargen Honorare
fehlt (auch den freien Journalisten)
die Zeit für eigene Recherchen, weswegen
immer mehr vorgeschriebene
Texte eingesetzt werden, die von wirtschaftlichen Interessengruppen
zur Verfügung gestellt werden. Für
Recherchen notwendige Reisen werden nur
getätigt, wenn diese von Interessensgruppen
gesponsert werden.
Die eigene politische
Ausrichtung des Journalisten beginnt
schon in der immer mehr von Unternehmen
finanzierten und beeinflussten Hochschule
im Fach Kommunikationswissenschaften, die
meist nur Journalisten aus wirtschaftselitenahen
Familien mit wenig Reflektion unter Zeitdruck
absolvieren.
All das gefährdet die journalistische
Unabhängigkeit und gibt die öffentliche
Meinung zunehmend der Einflussnahme meist
kommerzieller Interessengruppen preis,
was die Demokratie
gefährdet.
Das Netzwerk Recherche hat sich die Förderung
des Recherche-Journalismus und der Sicherung
freier und unabhängiger Berichterstattung
zum Ziel gesetzt. Dazu gehört, die
Unterwanderung des Journalismus durch
versteckte PR zurückzudrängen
und ein striktes Transparenzgebot in
Bezug auf die Verwertung von PR, im Übrigen
ein Trennungsgebot zwischen versteckter
PR und Schleichwerbung als "manipulative
Kommunikation" und Journalismus als "unabhängiger
Berichterstattung" durchzusetzen. Dazu
will das Netzwerk Recherche durch Initiativen
und Kooperationen mit Verlagen und Sendern
auf verschiedenen Ebenen folgende
Korrekturen durchsetzen und ein Umdenken
anregen:
1. Kennzeichnungspflicht für
PR-Tätigkeiten
Eine Kennzeichnung von Urhebern, die
für Unternehmen oder PR-Agenturen
arbeiten, ist notwendig. Analog zu "Anzeige" müsste
es bei entsprechenden Veröffentlichungen
heißen: "Der Autor ist auch für
die Unternehmenskommunikation von XYZ
tätig." Des Weiteren müssten
die kommerziellen Quellen bzw. Urheber
angegeben werden, beispielsweise "so
eine Studie, die vom Pharma-Unternehmen
XYZ finanziert wurde." Außerdem
sollte jede Redaktion die Ausstandsregel
in Kraft setzen, derzufolge Mitarbeiter,
die nebenbei im PR-Bereich tätig
sind, Themen aus dem fraglichen Bereich
als Journalist nicht bearbeiten dürfen.
2. Verschärfung des Pressekodexes/Aufbau
einer Watchdog-Einrichtung
Der Deutsche Presserat muss seine Rücksichtnahme
im Themenfeld "Vermischung von PR und
Journalismus" aufgeben. Das in Ziffer
7 des Pressekodexes formulierte Trennungsgebot
zwischen redaktionellem Text und Anzeigen
muss sinngemäß auch für
PR gelten. Verschärft werden muss
auch die weiche Richtlinie 7.2 in Bezug
auf Schleichwerbung.
Ein reformierter Presserat muss über
die Einhaltung des überarbeiteten
Pressekodex wachen und öffentlich
tagen. Zudem sollte eine unabhängige
Watchdog-Einrichtung vor allem die in
den Landespressegesetzen verfügte
Trennung von Werbung und redaktionellen
Inhalten überwachen und Verstöße
gegebenenfalls zur Anzeige bringen.
3. Aufklärung über
den Unterschied zwischen PR und Journalismus
Die Immunisierung gegen Manipulationsversuche
durch PR und Marketing muss von den Journalisten
in den Redaktionen ausgehen. In der täglichen
Praxis muss das Transparenzgebot in Bezug
auf PR von den Redaktionsleitungen verbindlich
eingefordert und gelebt werden. Die dazu
nötige Sensibilität muss gepflegt,
gefördert und in Konfliktfällen
gestützt werden.
Vor zehn Jahren gab es eine viel versprechende
Initiative hierzu. Der "Arbeitskreis
Chefredakteure" hatte kritische Aufmerksamkeit
im Umgang mit PR, Beeinflussung und Schleichwerbung
eingefordert. In der so genannten "Reise-Initiative" hatten
sich die Chefredakteure an die PR-Abteilungen
gewandt und Korrekturen bei den aufwändigen
Einladungen zu Auto-Präsentationen
und Reiseterminen gefordert. Diese Initiative
ist heute brandaktuell und sollte neu
belebt werden.
Die Grundlage für die redaktionelle
Arbeit wird in der Ausbildung gelegt.
Daher muss den Auszubildenden das Transparenzgebot
gegenüber PR und die Trennung zwischen
schleichwerbender PR und Journalismus
mit Nachdruck vermittelt werden. Studiengänge,
in denen der Nachwuchs unterschiedslos
zum PR-Agenten und zum Journalisten ausgebildet
wird, befördern den Gefälligkeitsjournalismus.
Sie etablieren PR-Journalisten ("bestellte
Wahrheiten") und unterhöhlen auf
diese Weise journalistische Grundsätze.
Recherche als Gegenpol zur PR muss zudem
tragender Bestandteil jeder journalistischen
Ausbildung sein. Noch immer gibt es Ausbildungspläne
für Volontäre, Journalistenschüler
und Journalistik-Studenten, die zwar
das Wort Recherche kennen, es aber nicht
mit Bedeutung füllen.
4. Verzicht der Unternehmen auf
nicht legitime, kommerzielle Beeinflussung
Auch auf Unternehmensseite sollte ein
Umdenken erreicht werden. Im Sinne der
laufenden Diskussion über den Werte-
und Verhaltenskodex zur Unternehmensführung
(Corporate Governance Kodex) muss der
Verzicht der Unternehmen auf nicht legitime
Beeinflussung von Journalisten (wie:
Bestechung, Begünstigungen, Nötigung)
festgeschrieben werden. Dies wäre
ein wichtiger Schritt zu wirksamer Transparenz
und Abgrenzung von PR und Journalismus.
5. Angemessene Vergütung
und Infrastrukturen
Wirtschaftliche Zwänge sollten nicht
als Rechtfertigung für die Verknüpfung
oder gar Verschmelzung von journalistischer
und PR-Tätigkeit herhalten dürfen.
Daher ist es unabdingbar, die aktuellen
Honorarsätze vor allem bei Tageszeitungen
zu erhöhen und auch - was einmal
selbstverständlich war - die Recherche
in die Vergütung mit einzubeziehen.
Personalabbau in den Redaktionen bewirkt
in der Regel den Rückgang der Recherche
und Vormarsch unkritischer Berichterstattung.
Um die redaktionelle Unabhängigkeit
zu stärken, bedarf es besserer journalistischer
Infrastrukturen.
Das Netzwerk Recherche hat in seinen
Aufnahmerichtlinien unmissverständlich
festgelegt: "Nicht aufgenommen werden
können Personen, die ganz oder teilweise
in der Public Relations/Öffentlichkeitsarbeit
tätig sind." Der rasant steigende
Einfluss von PR auf Journalismus muss
lösungsorientiert - auch von anderen
Journalisten-Organisationen - diskutiert
werden. Sonst verliert der seriöse
Journalismus seine Substanz und seine
Glaubwürdigkeit.
(Quelle : Netzwerkrecherche.de/verein, mit
eigenen Ergänzungen)
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