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Wie auch die Familientherapie kommt die Systemtherapie zur Anwendung. In der Paartherapie kommen Aspekte, die auch in der Familie eine Rolle spielen besonders deutlich zum Vorschein, denn ein Paar hat als System nur zwei Elemente, die Familie mindestens drei Elemente.
Vergleiche auch die Beziehungsleitsätze im Infoguide Lebenspartner.
Systemische Paartherapie
Abgrenzungsprinzip
Ein System ist unter anderem durch seine Grenzen zu anderen Systemen definiert. Wichtige Systeme sind hier der einzelne Partner, beide Partner als das Paar, andere Paare. Betrachet man das System Paar, so sind die Innengrenzen die Grenzen zwischen den Partnern, die Außengrenzen die Grenzen zu anderen Paaren bzw. Partnern.
Gesund ist eine Grenze, wenn sie klar und durchlässig ist.
Krank ist eine Grenze, wenn sie starr oder diffus ist.
Zu viel Starrheit bzw. zu wenig Durchlässigkeit zeigt sich in emotionaler, informativer und körperlicher Abschottung, einer zu hohen emotionalen Schutzmauer.
Zu viel Diffusität bzw. zu viel Durchlässigkeit zeigt sich in emotionaler, informativer und körperlicher extremer Öffnung bzw. einer zu niedrigen Mauer.
Da diffuse Innen- und Außengrenzen das Selbst zu sehr durchdrängen und schwächen würden und starre Innen- und Außengrenzen eine zu extreme Isolation (Strafe) wäre, kommen diese Möglichkeiten in der Praxis nicht vor. Diffusität und Starrheit scheinen sich in der Praxis gegenseitig anzuziehen bzw. zu verstärken. Es bleiben nur die beiden unten genannten kranken Formen der Paarbeziehung übrig.
Abgrenzung kurz
Zwei häufige von vier theoretisch möglichen pathologischen (kranken) Formen der Paarbeziehung
- Starre Innengrenzen und diffuse Außengrenzen (freie Liebe bzw. Sexualität)
- Diffuse Innengrenzen und rigide Außengrenzen (Partnerschaft als totale Symbiose und Gefängnis)
Gesunde Paarbeziehung
- Klare und durchlässige Innengrenzen und Außengrenzen
Regressives und progressives Verhalten
Regressives Verhalten bedeutet das Erfüllen von den für Schwache bzw. Kinder typischen Bedürfnissen wie z.B. Schutz, progressives bedeutet das Erfüllen von den für Starke typischen Bedürfnissen wie z.B. Anerkennung für die Dienstleistung Schutz für Schwache.
Krank bzw. neurotisch ist als Einzelner eine Fixierung auf das regressive oder auf das progressive Verhalten.
Vergleiche erstens Strukturmodell der Transaktionsanalyse mit Kind-Ich und Erwachsenen-Ich und zweitens Regression und Fixierung in der Psychoanalyse.
Gesund ist als Einzelner das flexible Ausleben beider Verhaltensweisen. Als Paar im Harmonie-Idealfall komplementär, im Normalfall das Ausleben aller drei Kombinationen regressiv-regressiv, progressiv-regressiv, progressiv-progressiv.
Umso mehr und lebenswichtigere Motive gesund flexibel ausgelebt werden, umso gesunder.
Kollusion - Komplementäre Fixierung je nach psychoanalytischer Phase
Kollusion : Häufig finden sich Paare zusammen, wo beide im obigen Sinn gesund sind oder beide krank. Also Paare, die das zentrale Lebensmotiv fixiert - krank - vom einen regressiv und vom anderen progressiv ausleben. Das zentrale Lebensmotiv siehe unten Beziehungsthemen.
So wie sich der typische Mann und die typische Frau gegenseitig anziehen, ziehen sich verallgemeinert die Person in der regressiven Rolle und die Person in der progressiven Rolle an.
- phallische Beziehungsthema
Die Rolle typisch Mann und die Rolle typisch Frau
- anale Beziehungsthema
Herrscher und Untertan
- orale Beziehungsthema
Pfleger und Zu Pflegender
- Beziehungsthema Abgrenzung
Narzisst (Bewunderter) und Komplementär-Narzisst (Bewunderer)
Konstruktive Kollusion
Für die beiden komplementär kranken Partner kann es besser oder noch schlimmer werden. Im konstruktiven Fall wird die Chance genutzt, sich selbst zu heilen, indem die verdrängte Rolle (andere Seite des "versus") bzw. das Verhalten des anderen erlernt wird und dadurch die Fixierung aufgehoben ist.
Destruktive Kollusion
Im destruktiven Fall erliegt man der Falle positive Rückkopplung und es wird die verdrängte Rolle nur an den anderen delegiert. Dann werden sogar bisherige Lernerfolge aufgegeben und die Fixierung noch stärker als vor der Paarbindung. Das kränker werden lässt auch die Beziehung "kränker" werden. Der Progressive hasst den Regressiven (und umgekehrt) dafür, die verdrängte "versus"-Rolle ausleben zu können. Dabei wehren sich beide nur gegen die Rollenfestlegung.
Gleichwertigkeitsbalance
Regressives und progressives Verhalten lässt keinen Schluß auf die Macht zu. Ob das Kind oder die Eltern mächtiger sind, d.h. mehr Einfluß auf den anderen haben, lässt sich kaum bestimmen. Auf Dauer überlebt nur die Beziehung auf gesunde Weise, wo die Macht fairteilt ist. Der eine übt die Macht dominant (König) aus, der andere subtil (Berater des Königs). Subtil bedeutet hier auch Weinen, Weglaufen, Sucht, Trotz, Streik, Märtyrertum, Heiligkeit, Suizidversuche. Krankhaft übernimmt jeder eine feste Rolle, gesund wird die Rolle immer wieder getauscht. Zum Beispiel durch den zeitlichen Wechsel bzw. Abfolge der Lebensbereiche. Also wenn jeder in bestimmten Lebensbereichen den König und in den anderen den Berater spielt.
Beziehungsthemen
Je nach zentralem Lebensmotiv. Das zentrale Lebensmotiv kann aus einer der psychoanalytischen Phasen oder auch aus dem Narzissmus-Konzept stammen und bestimmt das Beziehungsthema (s.u.).
Die Bedeutung des nachfolgenden "versus" : Gemäß Kollisions oben geht es prinzipiell um progressiv versus regressiv.
1. Narzisstisch
Selbstverwirklichung versus Selbstaufgabe bzw. Verschmelzung
2. Oral
Verteilung der gegenseitigen Verantwortung und Fürsorge, Geben versus Nehmen.
3. Anal
Verteilung der gegenseitigen Führung versus Abhängigkeit.
4. Phallisch
Ausleben der typisch männlichen versus typisch weiblichen Geschlechtsrolle. Vergleiche Analytische Psychologie nach Jung die Urfigur des Unbewussten Animus und Anima.
Fairteilung
Fairteilung ist psychisch gesund ! Gesund ist der flexible Wechsel zwischen beiden Seiten vom "versus". Ein gesundes Ausleben des oralen Beziehungsthemas bedeutet Fairteilung von Einkommen und Vermögen, ein gesundes Ausleben des analen Beziehungsthemas bedeutet Fairteilung von Macht.
Intervention
Ziel
- Das zentrale Motiv bei sich und dem Partner erkennen
- Die verdrängte Rolle beim zentralen Motiv erkennen
- Flexibleres Gleichgewicht anstatt Kollusion
In allen vier Beziehungsthemen die Herausforderung annehmen bzw. lernen, flexibel die regressive und die progressive Rolle auszuleben.
- Kranke Abgrenzung erkennen
- Gesunde statt kranke Abgrenzung lernen.
Weg
- Psychoanalytisch
- Selbsterkenntis über nichtintegrierte Persönlichkeitsanteile bzw. das zentrale Motiv für die Partnerwahl
- Systemisch
Neue Menschen kennen lernen. Sich selbst auch durch die Auswahl der umgebenden Menschen steuern. Man lernt unbewusst von den anderen Menschen.
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